Deshalb etwas Dorfgeschichte. Aus dem Staatsarchiv St. Gallen kommen zwei alte Ansichten von Bad Ragaz. Eines zeigt den Kronenkomplex, rechts von der Taminabrücke. Das Bild ist datiert „kurz nach 1890“. Das andere zeigt den städtischen Charakter des Taminadorfes um 1907 von der Krone aus Richtung Post aufgenommen. Die nächtliche Strassenbeleuchtung  war eindrücklich. Funktionierte sie doch mit Gas, später mit Elektrizität. Die Lichter erloschen immer um 23.00 Uhr.

Dieses undatierte Foto, gefunden in der Dokumentationsbibliothek Ragaziana, passt ebenfalls in die Zeit von 1890 – 1907.
Das Haus ist noch als Pension Hotel Krone beschriftet und im Vordergrund lässt sich gut die gasbetriebene Strassenbeleuchtung erkennen. Ebenso in diese Zeitepoche passt die im Vordergrund sichtbare Kutsche.


Anno 1840, als das Thermalwasser aus der Schlucht ins Dorf geleitet wurde, zählte Ragaz zwei Hotels, den Hof Ragaz und das Gasthaus Tamina. Auch 1859, fast 20 Jahre später, werden einzig diese zwei Häuser, zwar stark vergrössert, als Unterkunftsmöglichkeit genannt.

Im Jahre 1858 kam der Anschluss ans Eisenbahnnetz und die Zahl der Kurgäste nahm stark zu. Auch die Zahl der Hotels begann rasant zu steigen. 1868 waren es bereits 20. Das ursprünglich ärmliche Dorf entwickelte sich zum Luxusbadekurort. Die Epoche der Kuranstalten, welche für Bad Ragaz starke Veränderungen mit sich brachte, begann 1868. Ein Simon Bernhard kaufte das „Bad im Hof“ auf und begann mit dem Bau von Quellenhof, Kursaal, Trinkhalle, Bädern, Chalets, Garten- und Parkanlagen. 1869 eröffnete der Quellenhof als grösstes Hotel in Europa. Daraus ergaben sich auch im Dorfbereich rasche Entwicklungen. Eine rege Bautätigkeit liess das alte, teils armselige Bauerndorf,  mehr und mehr in den Hintergrund treten.

Daraus lässt sich schliessen, dass es die Krone tatsächlich schon  im Jahre 1880 gab. Aber die Eisenbahnerschliessung brachte nicht nur Vorteile mit sich. Auch andere Kurgebiete blühten auf und der Gästestrom verteilte sich immer mehr nach Graubünden, ins Berner Oberland, aber auch ins Ausland. Dadurch sahen sich viele Badekurorte, darunter auch Ragaz, in ihrer Existenz bedroht. Das erklärt warum das Hotelangebot nur 12 Jahre später wieder kleiner geworden war. Ob die Krone zu den „Opfern“ gehörte lässt sich aber nicht feststellen.

Um wieder auf Erfolgskurs zu gelangen wurde die Werbung intensiviert. Das Angebot wurde  merklich verbessert indem neue Spiel- und Sportplätze geschaffen wurden. 1905 wurde ein künstlicher See ausgehoben, ein Golfplatz und eine Parkanlage erstellt. Für die englischen Gäste wurde zudem 1906 eine eigene Kirche gebaut. Die Investitionen brachten den erhofften Erfolg. Ragaz hatte wieder steigende Frequenzen und der Hotelbau ging weiter.

In der Dokumentationsbibliothek Ragaziana finden sich ab dem 19. Jahrhundert viele Fotos des Hotel Krone.

Bilder aus den Anfängen der Automobilindustrie zeigen das Haus mit der Fassadenbeschriftung  „Hotel Pension Krone“ und der Sockel des Hauses zeigt sich mit Platten- oder Ziegelverkleidung. Diese Bilder stammen demzufolge aus der Zeit Anfang 1900. Ganz eindeutig war das Haus zu dieser Zeit in Betrieb.

Im Jahre 1939 war die Schweizerische Landesausstellung in Zürich. Das „Landibähnli“, ein Elektromobil,  kam anschliessend für einige Jahre in Bad Ragaz für die Strecke Bahnhof – Kuranstalten zum Einsatz. Auf einem Foto lässt sich dieses „Bähnli“ im Vordergrund der Krone erkennen. Gleichzeitig fallen Veränderungen an der Fassade auf. Der Sockel wurde umgestaltet. Die Fassade zeigt sich vom Dach bis zum Grund als eine Fläche. Und aus der Beschriftung „Hotel Pension Krone“ ist das „Hotel Krone“ geworden.

Das Haus hat im Laufe der Jahre noch einige Erneuerungen erfahren.
Sowohl innen wie auch aussen.

Über dem Stammtisch hängt ein Bild von C. Zwicker. Titel: Der stille Geniesser. Auch dieses kam an einer Veränderung nicht vorbei. In den 60-er Jahren hat ein Gast das Gesicht auf dem Gemälde durch sein eigenes ersetzt. So hängt es heute noch dort und vielleicht erkennt der eine oder andere den „stillen Geniesser“ der dort lächelt noch.

Aus Erzählungen geht hervor, dass zur Zeit der Kutschen nur noble Leute in der Krone abgestiegen sind. Herren mit Hüten und elegant gekleidete Damen. Aber wer sonst konnte sich zu dieser Zeit ein Hotel überhaupt leisten? Mit dem Bau der grossen Kurhotels veränderte sich dies. Heute gehören zu den Stammgästen der Krone viele Chauffeure der gutbetuchten Kurgäste die das Haus schätzen und immer wieder kommen. Auch das alljährlich in Davos stattfindende Weltwirtschaftsforum, kurz „WEF“ genannt, bringt Chauffeure und Bodyguards aller Nationen immer wieder in der Krone. Die alle drei Jahre stattfindende Ausstellung „Ragartz“ hat sich einen Namen gemacht und lockt viel Prominenz ins Dorf. So konnte man unter den Tagesgästen in der Krone schon Berühmtheiten wie Frau Dreifuss, Herr Koller oder Beat Breu antreffen.

Mit viel Liebe zum Haus hat das nun in Pension gegangene Besitzerpaar dem Haus äusserlich zu seiner Krone verholfen. Über dem seitlichen Hoteleingang leuchtet sie von der Fassade. Und die Frontansicht  wurde mit drei Fahnen bereichert. Die Dorfflagge von Bad Ragaz, das Kantonswappen St. Gallen und das Schweizerwappen.

... all dies lässt nun den Schluss zu, dass die Krone schon seit 1880 oder gar etwas früher durch verschiedene Höhen und Tiefen gegangen ist. Heute freut sich das Haus über eine stattliche Zahl Stammgäste. Das Hotel Krone ist im Dorf Bad Ragaz ein Begriff der nicht mehr wegzudenken ist.

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Quellenverzeichnis:
Dokumentationsbibliothek
Ragaziana, Bad Ragaz
Staatsarchiv St. Gallen
Foto Fetzer und Foto Schmidt Bad Ragaz
Privatfotos Herr Hess und Familie Guldin